Testbericht Photorucksack Lowepro Vertex 300 AW

Testbericht Photorucksack Lowepro Vertex 300 AW (all weather)

 

 Zunächst erstmal ein prinzipielles Vorwort zum Transport von umfangreichen Photogepäck (und dies betrifft alle Naturphotographen, egal ob Landschafts- oder Tierphotographen oder beides zusammen): An einem Rucksack geht meines Erachtens kein Weg vorbei! Nur mit einem Rucksack lässt sich über längere Zeit bzw. Strecken schweres Gepäck einigermaßen angenehm transportieren und dies auch bei widrigen Wetterbedingungen über Stock und Stein. Alle anderen Transportsysteme (Taschen zum Umhängen, Hüftgurt etc.) belasten einseitig und sind daher auf Dauer eher ungenehm zu tragen.

Der Rucksack sollte natürlich auch eine/n entsprechende/n Verarbeitung, Größe, Polsterung, Tragekomfort, Einteilungs- und Unterbringungsmöglichkeit für Objektive und Photozubehör haben. Alles zusammen genommen ist das eine Menge von sehr wichtigen Punkten, die individuell auf den Nutzer und seine Bedürfnisse zugeschnitten sein sollten. Ich für meinen Teil habe mit dem Lowepro Vertex 300 AW den (fast) perfekten Rucksack gefunden, der alle meine Anforderungen weitgehend erfüllt. In der Praxis konnte ich sowohl den Vertex 200 und jetzt auch den Vertex 300 ausgiebig testen, bei Wind und Wetter, bei + 30°C bis – 15 °C, mit einem Gewicht bis 20 kg und das bei vielen langen Tagestouren und ausreichend zurückgelegten Höhenmetern. Und spätestens hier trennt sich dann die Spreu vom Weizen…

Jetzt also zu den Details:

 

Technische Daten:

Gewicht: 3,7 kg

Außenmaße: 33 x 26 x 55 cm (Länge x Breite x Tiefe)

Innenmaße: 31 x 16,5 x 52 cm (L x B x T)

Preis: ca. 200 Euro

Die Außenmaße bewegen sich knapp über der Fluggepäcktauglichkeit. Hier heißt es beim Einchecken, das Gewicht möglichst „leichtfüßig“ handhaben, lächeln und unauffällig verhalten…

Ausstattung:

Der Rucksack ist quaderförmig und bietet daher ein relativ gutes Verhältnis von Gewicht, Polsterung und Stauvolumen. Ich persönlich bevorzuge inzwischen eher größere Rücksäcke: Sollte ich den Stauraum nicht mit Photogepäck ausnutzen, kann ich darin ja immer noch bei Bedarf zusätzliches Gepäck wie Poncho, Brotzeit (natürlich bröseldicht eingepackt!), ein Buch (wenn der Ansitz wieder mal länger dauert…) etc. unterbringen bzw. einfach leer lassen. Trinkflaschen bringe ich immer auf der Außenseite an (nie innen!), hier befinden sich seitlich zwei Netztaschen mit höhenverstellbaren Befestigungsriemen.

Die erste wichtige Voraussetzung für den Kauf dieses Photorucksacks war für mich die Möglichkeit, ein lichtstarkes Tele mit angesetzter Kamera unterzubringen (die Gegenlichtblende muss allerdings außerhalb transportiert werden, was auf Tagesphototouren kein Problem ist. Hier wird die Geli einfach mit dem auf der Oberseite des Rucksacks angebrachten zusätzlichen Clipgurt befestigt. Auf Flugreisen bietet sich dann die Mitnahme einer Reise-Geli an. Neben dem lichtstarken Tele kann ich im Rucksack noch eine zweite Kamera mit angesetztem Telezoom unterbringen, dazu noch weitere Wechselobjektive, Konverter, Zwischenringe, Filter, Akkus, Ladegerät, Fernauslöser etc. Das Gewicht des Rucksacks steigt dann natürlich schnell an, aber jeder kann hier selbst entscheiden, was er braucht und was er sich zumuten möchte. Für mich ist wichtig, alles in einem Rucksack unterbringen zu können!

Zu erwähnen ist hier, dass der Stauraum im Rucksack nach unten hin bis zu 2 cm flacher wird, da der Hüftgurt in den Rucksack eingearbeitet wurde. Außerdem verjüngt sich der Rucksack zum Boden hin um ca. 4 cm. Bei Transport eines lichtstarken Teleobjektives muss die Kamera also auf die Unterseite und das Objektiv nach oben, sonst wird das Ganze zu sehr zusammengepresst. Kameras mit zusätzlichem Batteriefach sind ebenfalls auf der geräumigeren Oberseite unterzubringen.

Die Polsterung bzw. der Schutz für das sensible Photoequipment halte ich auch für den Outdoor-Einsatz sehr gelungen und ausreichend. Die gute Polsterung ist natürlich mit einem höheren Grundgewicht des Rucksacks von 3,7 kg verbunden, aber wer schon mal bei Schnee/Glatteis/matschigen Untergrund ausgerutscht ist, wird die gute Polsterung zu schätzen wissen. Es sind ausreichend Trennelemente (mit 1, 2 und 3 cm Dicke) vorhanden, mit denen der Innenraum des Rucksacks aufgeteilt werden kann. Eine weitgehend individuelle Anpassung an die eigene Ausrüstung ist damit gewährleistet.

 

Im Hauptfach befinden sich auf der Deckelseite innen mehrere flache, mit Reisverschluss bzw. mit Klettverschluss verschließbare Taschen (z.B. für Akkus, Filter, Speicherkarten, Putztuch etc.). Neben dem Hauptfach gibt es noch ein weiteres Fach, in der z.B. ein Laptop eingeschoben werden kann. In der Regel ist bei mir dort aber zusätzliche Photoausrüstung untergebracht (Diffusor, Kabelauslöser, Filter etc.). An der Außenseite des Deckels befinden sich zwei längliche Fronttaschen mit vielen kleinen Fächern, in denen jede Menge Kleinteile verstaut werden können.

 

Zum Stativtransport gibt es einen Köcher an der unteren Außenseite des Deckels. Darin kann ich zwei Stativfüße unterbringen und mittels des höhenverstellbaren Glide-Lock-Systems befestigt ein weitenverstellbarer Gurt das Stativ sicher am Rucksack. Bei Bedarf kann der Köcher mittels Klettverschluss auch vom Rucksack entfernt werden. Beim Vertex 300 AW schließt der Köcher bündig mit der Bodenplatte ab, so dass das Abstellen des Rucksacks einfach zu handeln ist. (Beim Vertex 200 steht der Stativköcher unten etwas über!)

 

Auf der Oberseite des Rucksacks befindet sich ein Tragegriff mit Kunststoffpolsterung für den „Kurzstreckentransport“. Für längere Transportwege ist der Griff eher ungeeignet, zum einen aufgrund der einseitigen Belastung beim Tragen, zum anderen sind die Beckengurte etwas im Weg.

 

Für zusätzliche Taschen oder Objektivköcher kann man die seitlichen Befestigungsgurte nutzen. Auch am Hüftgurt bestehen noch weitere Befestigungsmöglichkeiten per Karabiner oder Zurrgurt.

 

Tragesystem:

Das Tragesystem des Vertex 300 ist mit angenehm gepolsterten Schulter- und Hüftgurten (ca. 2 cm dicke Polsterung) ausgestattet (6-Punkt-Tragegeschirr). Die Schultergurte lassen sich bequem in der Länge verstellen, zusätzlich sind zwei Lastkontrollriemen angebracht, mit deren Hilfe der Rucksack an den Körper angepasst werden kann. Mit einem weiten- und höhenverstellbaren Brustspanner können die Schultergurte vorne zusammen geclipt und individuell angepasst werden.

Was ich hier unbedingt noch erwähnen möchte: Ich bin vom Tragekomfort wirklich begeistert! Da ich auf meinen Phototouren/Reisen oft auch in den Bergen bzw. auch über längere Strecken unterwegs bin, ist dieser Punkt für mich extrem wichtig. War ich schon sehr zufrieden beim Vertex 200, so liegt mir der größere Vertex 300 noch besser. Mit einer Körpergröße von 185 cm passt mir der Rucksack wirklich perfekt. Bisher war ich mit maximal 16 kg unterwegs und das Gewicht ließ sich problemlos tragen, ohne dass ich am Ende des Tages „am Ende“ gewesen wäre. 16 kg wiegen in einem guten Rucksack natürlich immer noch 16 kg, aber mit einer gewissen körperlichen Grundfitness, einer guten Polsterung und einer abwechselnden Verlagerung des Gewichts auf Brust- bzw. Hüftgurte lässt sich dieses Gewicht einfach gut transportieren. Für mich das angenehmste und beste Transportsystem, das ich bisher ausprobiert habe.

 

Verarbeitung:

Die Verarbeitung ist sehr hochwertig. Die Nähte sind sauber und fest ausgeführt. Die Reisverschlüsse der Hauptkammern außen sind allwettertauglich und verdeckt angebracht. Daher sind sie etwas schwergängiger zu bedienen (v.a. wenn der Rucksack vollbepackt ist), die Allwettertauglichkeit ist mir in diesem Fall jedoch wichtiger.

 

Nachteile:

Es ist keine wasser- bzw. schmutzabweisende Bodenkappe oder Füße am Bodenteil vorhanden, so dass beim Abstellen der Rucksack je nach Bodenbeschaffenheit verschmutzt werden kann. Natürlich ist es möglich sich mit einer Plastiktüte zum Ablegen zu behelfen, aber eigentlich wäre so ein Detail beim Rucksack schon wünschenswert. Auch wenn ich meinen Rucksack mit Bodenplatte nie in den Matsch legen würde…

 

Wird das Regencape übergezogen, ist es nicht möglich, das Stativ zu befestigen. Das Regencape ist im Bodenfach des Rucksacks verstaut und passt im vollgepackten Zustand genau über den Rucksack, ein zusätzliches Stativ mit einzupacken geht nicht. Bei Regen hat man also Probleme mit dem Stativtransport, bzw. man verwendet einen zusätzlichen Zurrgurt. Das Regencape verwende ich mittlerweile nur, wenn ich ungeplant von einem Regenschauer überrascht werde. Bei starkem Regen bevorzuge ich inzwischen einen Poncho, aus folgenden Gründen:

-       auch wenn das Regencape den Rucksack vor Nässe schützt, die Tragegurte werden nass… Wer dann am nächsten Tag (vielleicht bei Sonnenschein und 20 °C) wieder mit Rucksack unterwegs ist, hat dann nasse Tragegurte, die das T-Shirt durchfeuchten.

-       Mit einem Poncho lässt sich die Feuchtigkeit einfach besser und weiter vom Rucksack fernhalten. Gerade bei Outdoor-Mehrtagestouren ist es u. U nicht so einfach, Rucksack und Cape trocken zu bekommen. Der Poncho lässt sich getrennt von Ausrüstung notfalls auch nass aufbewahren, Hauptsache das Photoequipment bleibt trocken.

-       Gewicht und Packmaß eines Ponchos sind relativ klein und schützen nicht nur Rucksack und Stativ, sondern auch den „armen“ Kerl, der den ganzen Krempel tragen muss ;-)

 

Zusammenfassung:

Der Vertex 300 AW erfüllt weitestgehend alle meine Anforderungen an einen Photorucksack. Da ich häufig mit schwerem Gepäck unterwegs bin, freut mich besonders der hohe Tragekomfort. Sicher ist das individuell bedingt und je nach Körpergröße kann dies auch variieren, aber bei einer schweren Ausrüstung ist man zwangsläufig auf größere Rucksäcke angewiesen und der Vertex 300 setzt da wirklich ein Zeichen. Wichtig ist für mich auch, dass ich eine umfangreiche Ausrüstung transportieren kann.

Kurz und gut: Dieser Rucksack begeistert mich noch immer, daher kann ich ihn wirklich empfehlen!

Photorucksack Lowepro Vertex
Photorucksack Lowepro Vertex

Geprüft, getestet und für gut befunden: der Photorucksack Lowepro Vertex :)