Canons Spitzenmodell EOS 1 DX Mark III im Praxistest

Mit der EOS 1 DX Mark III hat Canon nach eigenen Aussagen die stärkste DSLR an den Start gebracht, die je von Canon gebaut wurde. Die Kamera ist klar im Profisegment beheimatet: Für einen Anschaffungspreis von gut 7000 Euro erhält man eine Kamera mit einem extrem schnellen und sicheren Autofokus, ausgezeichneter Bildqualität und praxisorientiertem Bedienkomfort. Die Kamera ist mit bis zu 20 Bildern pro Sekunde sehr leistungsstark, auf höchstem Niveau verarbeitet und hält jedem Wetter stand. 

 

 

Erster Eindruck:

Hat man die Canon EOS 1 DX III erst mal in der Hand gehalten, will man sie eigentlich auch nicht mehr aus der Hand geben. Das liegt nicht nur an der guten Ergonomik, die Kamera überzeugt auch durch ihre übrigen Eigenschaften.

 

Ausgereiftes Gehäuse

Sowohl Griffgröße, -form und Gummierung sind gut abgestimmt und ermöglichen ein angenehmes Greifen und Halten der Kamera. Kurz gesagt: Die Kamera liegt mir einfach perfekt in der Hand. Bei einem Eigengewicht von rund 1400g (incl. Akku) ist dieser Aspekt nicht unwesentlich. Wie es für ein Profimodell zu erwarten ist, gibt es einen extra Hochformatauslöser. Der Akku reicht für 2850 Aufnahmen (nach CIPA-Standardmessverfahren). Das Display misst rund 8 cm und liefert mit 2,1 Mio. Bildpunkten ein gut aufgelöstes und klares Bild. Auf ein Klappdisplay muss man bei der Kamera leider verzichten. Mit den entsprechenden Dichtungen versehen ist das Gehäuse spritzwasser- und staubgeschützt, so dass man für alle Witterungsbedingungen gerüstet ist.

 Die beiden AF-On-Tasten (je eine für Quer- bzw. Hochformatgriff) sind eine wesentliche Neuerung und haben mich sofort überzeugt. Damit ist nicht nur die Fokussierung sondern gleichzeitig auch das Verschieben des Fokusfeldes möglich. Integrierte optische Sensoren erkennen die Bewegungsrichtung des Fingers und verlagern den Fokus in die gewünschte Richtung. Das geht deutlich schneller als mit dem Fokus-Joystick. Bei der Canon 1 DX Mark III lässt sich jetzt alles mit nur einer Taste erledigen und ein Umgreifen des Daumens entfällt, was in actionreichen Situationen den entscheidenden Zeitgewinn bringen kann. Auch mit Handschuhen lässt sich der Fokus mittels AF-On-Tasten gut steuern. Mit etwas Übung klappt das Versetzen zielgenau und man fragt sich eigentlich nur, warum diese Taste nicht schon viel früher erfunden wurde.

Die Einhandbedienung ist an der 1DX III angenehm umsetzbar. Ich erreiche alle wichtigen Einstelltasten, Controller und Wahlräder ohne abenteuerliche Fingerakrobatik und kann die Hand beim Einstellen der wichtigsten Parameter an der Kamera lassen. Die Verteilung der Bedienelemente ist geschickt gelöst und nach einer kurzen Eingewöhnung lässt sich die Kamera sozusagen blind und intuitiv bedienen. Je nach Bedarf kann der Hochformatauslöser und die dazugehörige AF-On-Taste zu- oder abgeschaltet werden.

 

Neben der oberen LCD-Anzeige befindet sich eine zweite Anzeige unten auf der Kamerarückseite. Für beide gibt es eine Beleuchtung, so dass man auch bei schlechten Lichtverhältnissen die Einstellungen überprüfen und korrigieren kann. Auch wenn man die Beleuchtung nur selten braucht, so habe ich sie doch schätzen gelernt beim Fotografieren von Schwarz- und Grünspecht im Buchenwald. Wenn durch das dichte Blätterdach im Sommer nahezu kein Sonnenstrahl auf den Boden dringt und man die ISO-Reserven der Kamera ausreizen muss um vernünftige Belichtungszeiten zu erzielen, ist im dunklen Tarnzelt die Beleuchtung sehr angenehm beim Einstellen der Kamera.

Schnelle Bildfolge

Die Kamera ist vor allem auf Tier– und Actionfotografen ausgerichtet ist, dementsprechend schnell ist die Bildfolge der Canon 1 DX III. Bis zu 16 Bilder pro Sekunde sind bei Verwendung des mechanischen Auslösers möglich, im Live-View-Modus sogar 20 Bilder pro Sekunde inklusive Schärfe- und Belichtungsnachführung. Meine bisherigen Kameras waren alle langsamer und ich war es gewohnt, dass ich eine Bewegungsabfolge nur in Fragmenten und mit begrenzter Dauer aufnehmen konnte. Mit der Canon 1 DX III eröffnen sich nun neue Möglichkeiten. Wie deutlich der Unterschied z.B. zur 5D Mark IV ist, habe ich erst bei wirklich schnellen Bewegungsabläufen festgestellt. So lässt sich z.B. die optimale Flügelstellung eines fliegenden Vogels mit der Canon 1 DX III wesentlich leichter umsetzen. Erst anhand der einzelnen Fotos kann man im Detail nachvollziehen, wie rasant die Abfolge der Bewegungen ist. Um das optimale Ergebnis nicht zu verpassen, darf letztlich kein Foto fehlen und man möchte die Geschwindigkeit der Kamera auf keinen Fall missen. Auch wenn jetzt natürlich mehr Bildmaterial entsteht das gesichtet werden muss, so überzeugend sind doch die Ergebnisse der erweiterten Möglichkeiten. Die Stärken der Canon 1 DX Mark III in der Tierfotografie treten hier deutlich zu Tage. Die auftretenden Schwingungen durch den schnellen Spiegelschlag sind allerdings nicht zu vernachlässigen und bei schlechten Lichtverhältnissen kann dies zu Bildunschärfe führen. Bei grenzwertigen Lichtsituationen arbeite ich dann bevorzugt mit Live-View oder stelle auf langsameren Spiegelschlag um, um die Vibrationen zu reduzieren.

 

Sehr beeindruckend ist auch die Schreibgeschwindigkeit auf den neuen CF-Express Karten, die bei der Canon 1 DX III zum Einsatz kommen. Ich habe es bisher noch nie erlebt, dass die Kamera nicht aufnahmebereit gewesen wäre, egal wie lange ich den Auslöser gedrückt hielt. Einen Test mit maximaler Bildfolge (16 Aufnahmen pro Sekunde mit Spiegel) habe ich nach über 500 Aufnahmen abgebrochen ohne dass es zu Verzögerungen gekommen wäre. Bisher habe ich bei all meinen Fototouren noch keine einzige Situation erlebt, bei der diese umfassende Aufnahmekapazität nicht ausgereicht hätte. Ich schätze es wirklich, dass ich in wichtigen Situationen keine Aufnahmebeschränkungen mehr fürchten muss und die Kamera jederzeit aufnahmebereit bleibt.

 

Autofokus

Mit 191 Messpunkten, davon 155 Kreuzsensoren, ist der Autofokus der 1 DX III extrem leistungsstark. Auch bei lichtschwachen Situationen fokussiert die Kamera in der Regel sehr präzise. Die Kombination aus der 1 DX III und meinem Canon 400mm f/2,8 II ist schlichtweg das Dream-Team, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Selten hat das Fotografieren so viel Spaß gemacht und mir so viele schöne Bildergebnisse beschert. Auch im Live-View ist der Autofokus äußerst schnell und zielgenau. Besonders das Tracking und die Fokusnachführung sind absolut überzeugend und liefern ausgezeichnete Ergebnisse.

Verwendet man manuellen Fokus hilft das Fokuspeaking weiter. Rotmarkierte Linien zeigen an, wo der Schärfebereich liegt, so dass die Fokussierung im Live-View praktisch erledigt werden kann.

Auflösung und Bildqualität

Beim Dynamikumfang hat Canon ordentlich zugelegt und wirklich höchstes Niveau erreicht. Bisher war die Konkurrenz in diesem Punkt gefühlt eine Nasenlänge voraus, was nun mit der Canon 1 DX III aber nivelliert wurde. Der gesteigerte Dynamikumfang vereinfacht das Vorgehen bei der Bildbearbeitung doch sehr. Bei Bedarf lassen sich die dunklen Bildstellen nun aufhellen ohne gravierendes Bildrauschen zu produzieren.

Damit sind wir schon bei der nächsten interessanten Frage angelangt: Wie ist die Bildqualität bei steigenden ISO-Zahlen einzustufen? Theoretisch lässt sich die ISO-Zahl zwischen 50 und 819.200 variieren. In der Praxis sind die ganz hohen ISO-Werte jedoch irrelevant aufgrund der abnehmenden Bildqualität. Generell ist man ja immer bemüht, die ISO-Zahl möglichst gering zu halten um Bildrauschen zu vermeiden. Auf der anderen Seite steht eine möglichst kurze Belichtungszeit, um Verwackelungen oder ungewollte Bewegungsunschärfe zu vermeiden. Bis ISO 3200 gehe ich bei der Canon 1 DX III völlig bedenkenlos. Minimal auftretendes leichtes Farbrauschen im Bereich zwischen 2000 bis 3200 ist sehr feinkörnig und ohne viel Aufwand schnell mit ein paar Mausklicks per Bildbearbeitung zu beheben. Im ISO-Bereich bis 5000/6400 nimmt das Bildrauschen natürlich weiter zu, lässt sich aber noch gut beherrschen, wenn auch der Aufwand in der Bildbearbeitung dafür höher wird. Bereiche über ISO 6400 nutze ich eher selten, was neben der langsam abnehmenden Detailzeichnung vor allem aber mit meinem persönlichen Motivspektrum zusammenhängt.

 

Mit 20 Megapixel Auflösung gehört die Canon 1 DX III sicher nicht zu den Pixel-Boliden. Von meiner Canon 5D Mark IV mit 34 Megapixel schätze ich die Reserve, wenn ich das Bild doch mal croppen muss. Und in diesem Bereich hätte ich mir auch die Canon 1 DX III gewünscht. Canon hat der Schnelligkeit der Kamera  offenbar den Vorzug gegeben gegenüber einer höheren Auflösung.

An der Canon 1 DX III lässt sich nun auch ein neues Datenformat einstellen: HEIF (High Efficiency Image File Format): Mit zehn Bit Farbtiefe und viermal besserer Komprimierung als im JPEG-Format erzeugt es sogar geringere Artefakte. Sobald die Bildbearbeitungsprogramme dieses neue Format verarbeiten können, ist es sicher eine interessante Alternative. In der Kamera kann man wählen, ob und welches Format zusätzlich zum RAW-Format gespeichert werden soll.

 

Sucherbild: Ich bin den optischen Sucher seit meinen fotografischen Anfängen gewohnt und schätze die Vorteile: Er arbeitet absolut verzögerungsfrei und belastet den Akku nicht, egal wie lange ich durch den Sucher beobachte. Außerdem wird das Umgebungslicht nahezu vollständig ausgeblendet, was meinen Seheindruck verbessert. Daher schätze ich den optischen Sucher der Canon 1 DX III (mit 0,76facher Vergrößerung). Natürlich lassen sich hier dazu die wesentlichen Aufnahmeparameter einblenden. Auch eine Abdeckung des Suchers zur Reduzierung von Streulicht ist schnell erledigt mittels Hebel, der rechts neben dem Sucher angebracht ist. Ein Dioptrienausgleich kann zwischen -3 bis +1 angepasst werden.

Für manche Zwecke ist der Live-View natürlich das Mittel der Wahl und ein Wechsel ist glücklicherweise jederzeit möglich.

 

Ausstattung

Die Kamera hat eine umfangreiche Schnittstellenausstattung: Ethernet RJ-45-Anschluss, USB, HDMI mini-Ausgang, Blitz, Mikrofoneingang, Kopfhörer und N3-Anschluss für die Fernbedienung. Eine drahtlose Steuerung mittels Bluetooth und WLAN ist ebenfalls möglich.

Die Kamera ist mit zwei Slots für CF-Express Speicherkarten ausgerüstet. Damit besteht eine Aufnahmereserve, besonders praktisch finde ich aber auch die Möglichkeit, unterwegs auf die Schnelle die wichtigsten Fotos auf der zweiten Karte sichern zu können.

Im Lieferumfang ist ein Doppelladegerät enthalten, so dass man zeitgleich zwei Ersatz-Akkus laden kann.

Die Video-Funktionen wurde von mir nicht getestet.

Die Menuführung ist übersichtlich und im Wesentlichen gleich geblieben, wie man es von den bisherigen Kameras gewohnt ist. War man schon Besitzer einer Canon-Kamera, findet man sich eigentlich sofort zurecht. Dennoch lohnt es sich, für die individuelle Einstellung der Kamera etwas Zeit zu nehmen, um sie für die eigene Arbeitsweise anzupassen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die Tasten und Wahlräder entsprechend seiner Vorlieben zu konfigurieren.

FAZIT

Mit der Canon 1 DX III hat man ein professionelles Gerät zur Hand, das beste Voraussetzungen bietet, um in actiongeladenen Situationen seine Wunschbilder perfekt auf den Chip zu bannen. Mit einem Preis von gut 7000 Euro ist die Kamera hochpreisig und hat lediglich 20 Megapixel, überzeugt aber mit einer hervorragenden Ausstattung. Der exzellente Autofokus und die schnelle Bildfolge in Verbindung mit der fast unbegrenzten Aufnahmekapazität bietet den Tierfotografen eine nie dagewesene Leistungsstärke aus dem Haus Canons. Der verbesserte Dynamikumfang ist technisch auf höchstem Niveau. Mit den neu eingeführten AF-On-Tasten wurde die Fokussierung mit der schnellen Möglichkeit zum Versetzen des Fokusfeldes kombiniert und verbessert damit die Kamerabedienung nochmal deutlich. Wer in der Tierfotografie Spitzenleistung sucht, ist mit der Kamera bestens beraten.

 

Technische Daten:

Sensorgröße: 36 x 24 mm

Pixel: 20,1 MP effektiv

Gewicht: ca. 1250 g (Gehäuse ohne Akku)

8,01 cm Monitor, 2,1 Millionen Bildpunkte

Bildprozessor: Digic X

Akkureichweite: 2850 Aufnahmen (CIPA-Standard mit optischen Sucher)

ISO: 100 - 102.400 (erweiterbar auf 50 – 819.200)

191 AF-Sensoren, davon 155 Kreuzsensoren

Verschlusszeiten: 30 s - 1/8000s, Langzeitbelichtung

1/250 Blitzsynchronzeit

5,5k RAW-Video

WLAN, Bluetooth,

Foto Koch: Canon EOS 1 D X Mark III Gehäuse

 

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