Pleiten, Pech und Pannen

 Im Laufe meines „Photographendaseins“ habe ich schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Am liebsten berichtet man ja über die Höhen, denn was gibt es für einen Photographen Schöneres, als seine besten Photos zu zeigen, über abenteuerliche Tierbegegnungen und phantastische Landschaftserlebnisse zu berichten.

 

 

Heute ist es aber mal an der Zeit, auch von der Kehrseite zu erzählen.

 

Damit meine ich nicht die unzähligen Stunden, die ich im Tarnversteck verbrachte ohne eine gutes Photo zu machen, die ich meinen Photorucksack „müßig“ durch die Gegend schleppte oder mir im Winter die Finger und noch mehr abfror… Hier sind die übelsten Erlebnisse meiner Phototouren:

 

Ich saß im Winter bei -11 °C im Tarnzelt, keine drei Meter vor mir war im schönsten Licht ein Eisvogel und ich konnte Photos machen, wie man sie sich erträumt. Die Photographenwelt war in Ordnung: Ein tolles Naturerlebnis zum Greifen nah, einfach schön zum Beobachten und als Krönung noch Photos davon machen… Plötzlich wischte ein Schatten durch den Sucher und der Eisvogel war weg! Ich hörte nur ein aufgeregtes Pfeifen, eher ein Klagen oder Schreien und da ich durch den Sucher nichts erkannte, blickte ich vorn aus dem Zelt und sah rechts im Gebüsch einen Sperber, der den Eisvogel in den Fängen hielt. Der Sperber flog kurz hoch, landete mit dem Eisvogel im nahen Bachbett direkt vor mir und mantelte. Das Blau des Eisvogel-Federkleides schimmerte durch das Wasser und kein Laut war mehr zu hören. Ich war entsetzt!! Kaum hatte ich realisiert, was überhaupt los war, brachte ich die Kamera in Position und löste aus. Zwei Photos konnte ich machen, dann war der Sperber auf und davon. Und dann der SUPERGAU: Beide Photos unscharf!! Ich hatte vorher den obersten Sensor als Schärfepunkt aktiviert und in der Aufregung natürlich nicht mehr daran gedacht. Also wurde nicht auf den Sperber fokussiert sondern auf das Wasser dahinter.

Mit einem Gefühl totaler Leere verließ ich den Platz. Nicht nur, dass mein Lieblingsvogel vor meinen Augen sein Leben verlor, auch hatte ich keine Belegphotos dieses seltenen Ereignisses.

 

Andere Highlights technischer Art erlebte ich im Bayerischen Wald. Bei einer Winterwanderung im Bayerischen Wald hatte ich meine Kamera umhängen, als ich am Berghang auf einer unter der Schneeschicht verborgenen Eisfläche ausrutschte und einen satten „grounder“ hinlegte. Dabei schrottete das seitlich am Rucksack hängende Stativ das Display meiner Kamera! „Gute Laune“ kann so aus dem Nichts entstehen!!!

 

Als ich mit meiner Familie im Erongo-Gebirge in Namibia unterwegs war und wir uns für ein Selbsauslöserphoto postierten, fiel durch einen Windstoß Kamera samt Stativ auf einer steilen Felsplatte um. Dabei zusehen zu müssen und nichts dagegen tun zu können (wir waren zu weit entfernt) löst schon eigenartige Gefühle aus. Panikartig bin ich zur Kamera gesprintet, um den Schaden zu begutachten. Und siehe da: Bis auf einen kleinen Kratzer hat das ganze System bestens überlebt, die Gegenlichtblende hat den Sturz aufgefangen, dabei wurde die Kamera am Stativ verdreht und hat die Fallenergie anscheinend absorbiert. Objektiv und Kamera in Ordnung, Autofocus arbeitet noch präzise, alles bestens!!! Ich hatte schon mit einem Totalschaden gerechnet, dass nach einem solchen Sturz alles heil bleibt, hätte ich nie für möglich gehalten.

 

Ein weiteres Erlebnis der besonderen Art hatte ich nach einem frühen Ansitz auf Silberreiher, als ich wieder nach Hause fahren wollte. Beim Wenden auf dem Waldweg kam ich mit dem Vorderreifen derart in den Morast, dass ich mich festgefahren habe. Nach zwei vergeblichen Versuchen, wieder rauszukommen, gab ich es auf, denn ich wollte den Reifen nicht bis zur Achse eingraben. So gab es nur eine Möglichkeit: Hilfe holen! Meine Photoausrüstung wollte ich nicht allein im Auto zurücklassen, also Rucksack schultern und einen morgendlichen, ca. 5 km langen Crosslauf quer durch die Botanik starten, um meinen Vater zu holen, der mich hoffentlich wieder rausziehen kann. Mein Handy hatte ich vergessen, selber schuld, also laufen. Nur die nassen Wiesen waren nicht so der Hit… Mein Vater hat nicht schlecht gestaunt, als ich in aller Frühe ans Fenster klopfte und ihm von meiner Lage berichtete. Er machte sich mit mir sofort auf den Weg, um mein Auto wieder flott zu bekommen, aber das mit dem Rausschleppen gestaltete sich schwieriger als vermutet. Erst der dritte Versuch klappte und mein Vater hatte dabei fast einen Burnout hingelegt. Es roch so stark nach verbranntem Gummi, dass ich schon ein schlechtes Gewissen bekam. (Sogar ein paar Tage später, als ich mit ihm in seinem Auto unterwegs war, hatte ich noch immer das Gefühl, den Geruch von verbranntem Gummi zu riechen… ;-). Auch mein Auto sah so aus, dass ich wohl oder übel eine kleine Reinigung vornehmen musste, auch wenn ich nicht so der Fan von Autoputzen bin.

 

Bei unseren Touren in Afrika sind wir eigentlich immer gut durchgekommen. Auf inzwischen über 20.000 km hatten wir keine einzige Autopanne, lediglich einmal sind wir in der Namib im Sand stecken geblieben. Aber innerhalb weniger Minuten waren gleich mehrere Helfer stehen geblieben, die uns wieder aus dem Tiefsand halfen. Also kein Problem! Statistisch eigentlich gar nicht möglich, dass wir auf diesen 20.000 km keinen Plattfuß gefahren sind. Ich hab schon von Leuten gehört und gelesen, die innerhalb einer 5000 km Tour über 5 Pannen hatten… Aber ganz verschont wurden wir natürlich auch nicht. Bei Touren in Österreich und nach Skandinavien musste ich schön öfter die Reifen wechseln. Inzwischen kenne ich es schon am Vibrieren des Autoinnenspiegels, wenn ein Autoreifen seinen Geist aufgeben will…

 

Bestohlen wurden wir auf unseren Afrika–Touren bisher noch nie, lediglich etwas Mundraub mussten wir mehrfach erdulden. Als wir im Halali-Camp eine Mittagspause einlegten, ließen wir die Beifahrertür offen stehen, damit sich im Auto keine Hitze staut, wir waren ja am Tisch direkt nebenan. Als ich während unserer Pause ein paar Vögel photographieren wollte, sah ich im Vorbeigehen im Fußraum des Autos ein Hörnchen sitzen, das gerade in aller Gemütlichkeit dabei war, eines von unseren Keksen zu mampfen. Zum Glück konnte ich ein Photo von diesem Dieb machen, bevor ihn das schlechte Gewissen packte und er Reißaus nahm. Hier das Fahndungsphoto:

Anhand der Fußspuren im Auto sahen wir, dass das Hörnchen vom Vordersitz über den Photorucksack auf die Rücksitze gelangte und dort aus der Kekspackung ein Keks herausgenommen haben musste, nach vorne transportierte und schließlich dann beim Futtern von uns erwischt worden ist…

 

In den Tsaris-Bergen/Namibia waren wir völlig allein auf einer Campsite. Die Heckklappe stand offen, weil wir gerade kochen wollten, als wir diese beiden Gesellen ertappten, wie sie sich an unseren Äpfeln zu schaffen machten. Hier waren eindeutig Profis am Werk: Einer sichert sich die Beute, der andere steht Schmiere! Außerdem waren beide maskiert: schwarze Mütze und Augenbinde… übles Gesindel!

Wenn Ihr Euch Eure Erlebnisse auch mal von der Seele schreiben müsst: Geteiltes Leid ist halbes Leid!

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