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Praxistest Canon EF 400mm f/2,8 L IS USM II

Jeder Tierfotograf überlegt sich sich wohl irgendwann, ob sich der Kauf einer High-End Telefestbrennweite lohnt. Die hohe Lichtstärke und die hervorragende optische Qualität sind sehr gute Argumente dafür, auf der anderen Seite sprechen eingeschränkte Brennweitenflexibilität sowie stattliche Größe, Gewicht und Preis eher dagegen. Seit mehreren Jahren habe ich dieses Objektiv im Einsatz und berichtet hier über meine Erfahrungen.

Die Anschaffung einer Festbrennweite will natürlich gut überlegt sein, schließlich legt man sich nicht jeden Tag eine Fotoausrüstung dieser Größen-/Gewichts- und Preisklasse zu. Folgende Voraussetzungen waren für mich besonders wichtig:

Brillante Schärfe, das ist sicher einer der wesentlichen Eigenschaften! Unabdingbar damit verbunden ist ein treffsicherer Autofokus, der auch bei schlechten Lichtbedingungen zuverlässig arbeitet! Gegenüber den prinzipiell lichtschwächeren Telezooms wollte ich gerade hier deutlich bessere Ergebnisse erzielen.

Eine Anfangsblende mit f/2,8 war für mich aus mehreren Gründen Voraussetzung: Neben der hohen Lichtstärke wollte ich die Festbrennweite auch für (Blumen-) Makros verwenden und die Freistellungsmöglichkeiten bei f/2,8 sind dabei traumhaft. Zudem liegt sogar bei Einsatz eines 2-fach Konverters die Anfangsblende nur bei 5,6, so dass der Autofokus der Kamera vollumfänglich damit arbeiten kann. Hier gibt es keine Einschränkungen, alle Autofokusfelder sind einsetzbar und die Endbrennweite liegt so bei immerhin 800mm. Ein weiterer wesentlicher Punkt für mich waren „praxistaugliches“ Gewicht und Größe des Objektivs: Die beste Linse hilft nichts, wenn sie aus Gewichts- und Platzgründen dann regelmäßig zuhause bleibt. Gerade bei längeren Wanderungen im Gebirge oder bei Flugreisen ist dies ein nicht zu unterschätzendes Thema. Und zum Schluss ein weiterer Aspekt, der mich zum Kauf einer Festbrennweite bewogen hat: Das Bokeh! Was sich kaum in Worte fassen lässt, eröffnet sich beim Betrachten der Fotos. Die sanften Farbübergänge der Unschärfe/-kreise gestalten das Gesamtergebnis wesentlich mit und tragen essentiell zur Atmosphäre des Fotos bei.

Alles in allem eine ganze Menge an Faktoren, die bei der Objektivwahl berücksichtigt werden wollen. Je nach persönlichen Vorlieben wird man den einen oder anderen Punkt stärker gewichten und so seine Brennweite finden. Für mich und meine Bedürfnisse war das 400mm f/2,8 L IS USM II einfach die beste Kombination aus optischer Qualität, Bokeh, Brennweite, Gewicht und Transportmöglichkeit.

 

Der Anschaffung dieses Objektives steht ein Preis entgegen, der einem sogar bei Minusgraden die Schweißtropfen auf die Stirn bringt. Hat man die Anschaffung erstmal getätigt, kann man das Objektiv aus seinem Transportkoffer heben. Der Koffer selbst ist für den Praxiseinsatz eher unbrauchbar, eine am Objektiv angesetzte Kamera findet leider keinen Platz mehr. Da man bei einer Fototour mehr braucht als nur ein Objektiv, ist dieses Teil bei mir seit dem Auspacken in der Abstellkammer verschwunden. Außerdem passt der mitgelieferte Objektivdeckel nur an die Gegenlichtblende. Nimmt man für den platzsparenden Transport im Fotorucksack die Geli ab, muss die große Frontlinse durch einen zusätzlich erworbenen Objektivdeckel geschützt werden. Die Geli wird mit nur einer Schraube am Objektiv befestigt, das lässt sich schnell und zur Not selbst mit einer Hand bewerkstelligen. Auch wenn der Befestigungsmechanismus auf den ersten Blick etwas empfindlich aussieht, hat es bis jetzt noch keine Probleme damit gegeben. Der gepolsterte Trageriemen für das Objektiv liegt bei und bietet einen angenehmen Tragekomfort. Mit angesetzter Geli ist das 400er f/2,8 L IS USM II eine imposante Erscheinung mit nicht unwesentlichen Ausmaßen. Die große weiße Fläche des Objektives ist in der Botanik aber relativ auffällig. Ein Lenscoat zum Schutz vor Kratzern empfiehlt sich sowieso und ist dann Tarnung zugleich.

 Bildschärfe und Autofokus

 Jetzt zum wesentlichen Teil: Die optischen Eigenschaften dieses Objektivs sind unglaublich gut. Detailreichtum, Schärfe und Brillanz sind überragend und machen mich jedes Mal wieder mehr als zufrieden. Die Strukturen im Fell von Tieren sind genauestens zu erkennen: Kein „Fellbrei“, sondern detailliert die einzelnen Haare. Auch  bei Gegenlicht liefert das Objektiv durch seine Vergütung hervorragende Bildergebnisse. Unschärfe konnte ich nur dann feststellen, wenn bei ungünstigen Bedingungen große Luftschichten durchdrungen werden müssen. Gegen Hitzeflimmern, Luftkonvektion etc. ist natürlich auch das 400mm f/2,8 L IS USM II machtlos.

Der Autofokus ist wirklich rasant und leistet hervorragende Arbeit. Vögel im Flug sind für diesen Autofokus kein Problem (eher für den Fotografen, der den Vogel in den Sucher bekommen bzw. halten muss…). In Zusammenarbeit mit einem 1,4fach Konverter ist der AF gefühlt fast gleich schnell, wie ohne Konverter. Auch mit dem 2fach Konverter nimmt die Geschwindigkeit des AF nicht dramatisch ab (der Fokusbereichsbegrenzer sollte entsprechend auf 7m - ∞ eingestellt sein). Wirklich Sinn machen Konverter eigentlich nur in Verbindung mit einer Festbrennweite, möchte man keine wesentlichen Einbußen bei der Schärfe hinnehmen. Die Bildergebnisse sind in Verbindung mit dem 400mm f/2,8 L IS II einfach exzellent. Auch bei Einsatz des 2fach-Konverters lassen sich hervorragende großformatige Ausdrucke mit erstklassiger Schärfe anfertigen.

Bokeh

 Da ich diese Linse auch gerne im Makrobereich verwende, sollte ich noch erwähnen, dass die Naheinstellgrenze nur bei 2,7 m liegt. In Kombination mit den verschiedenen Konvertern bzw. auch mit Zwischenringen setze ich dieses Supertele gerne auch für Blumenfotos etc. ein. Das Bokeh dieser Linse ist einfach wunderschön und die Unschärfekreise zeichnen sich durch runde, sanfte Übergänge aus. In Verbindung mit der Freistellungsfähigkeit bei Offenblende gibt dies den Fotos immer eine besondere Note, die ich sehr schätze. Ein manueller Fokus-Override ist jederzeit möglich, woran mir ebenfalls sehr liegt. Damit kann ich im Vorfeld einer Aufnahme die Schärfe testweise schnell und kontinuierlich versetzen um die Bildwirkung zu kontrollieren. Je nach Verschiebung des Schärfepunkts ergibt sich gerade im Makrobereich eine unvorhersehbare Bildwirkung.

Der Bildstabilisator bringt 4 Blendenstufen und verbessert die Freihandtauglichkeit. Durch die automatische Schwenkerkennung arbeitet der Bildstabilisator auch bei der Nachverfolgung beweglicher Motive.

Die Stativschelle läuft ohne zu hakeln „rund und flüssig“. Da ich mit diesem Objektiv häufig auf einem Gimbal-Stativkopf arbeite, lässt sich so ein Schwenk vom Quer- ins Hochformat oder umgekehrt blitzschnell und geräuschlos realisieren.

 

Mit 3,85 kg ist die Linse noch gut freihandtauglich, auch der Bildstabilisator leistet dafür gute Dienste. In der Regel arbeite ich jedoch mit einem Stativ, was das Arbeiten vor allem über einen längeren Zeitraum doch wesentlich entspannter macht. Aber für unwegsames Gelände (z.B. im Gebirge) ist die Freihandtauglichkeit des 400er doch sehr praktisch.

Das Objektiv kann ich im fluggepäcktauglichen Fotorucksack ohne Probleme verstauen und zusätzlich einen zweiten Body und andere Objektive unterbringen. Bei Flugreisen greife ich oft auf eine Reisegegenlichtblende mit Klettverschluss zurück, die platzsparend im Koffer verstaut wird und nicht zu Bruch gehen kann, egal was mit dem Gepäck passiert.

Fazit:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man mit dem 400mm f/2,8 L IS USM II ein absolutes Spitzenobjektiv in Händen hält, das wirklich Maßstäbe setzt. Sowohl die optische Qualität als auch das Bokeh sind auf höchstem Niveau. In der Praxis lässt sich das 3,85 kg schwere Objektiv noch relativ gut handhaben. Mit seiner vergleichsweise kompakten Bauweise ist auch ohne weiteres ein Transport in einem fluggepäcktauglichen Rucksack möglich. Seit ich mit dem Canon 400mm f2,8 L IS USM II arbeite, haben mich seine Eigenschaften absolut überzeugt und es ist zu meiner persönlichen Lieblingslinse geworden.

 

Technische Daten:

Gewicht: 3850 g

Länge: 343 mm

Durchmesser: 163 mm

Naheinstellgrenze: 2,7 m