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Praxistest Olympus OM-D EM-1 MARK II

Olympus hat mit der OM-D E-M1 Mark II eine Kamera auf den Markt gebracht, die mit eindrucksvollen Eigenschaften aufhorchen lässt: Ein Bildstabilisator mit fast unglaublicher Leistung, extrem hohe Serienbildgeschwindigkeit, 121 AF-Messfelder als Kreuzsensoren und 20 Megapixel Auflösung setzen deutliche Akzente. Hier berichte ich über meine Erfahrungen, die ich mit der Kamera in der Praxis gemacht habe.

 

Zu Beginn des Winters war ich ein paar Tage in den Alpen unterwegs, um Gemsen im Schnee zu photographieren. Nach etwa 1000 Höhenmetern, 40° steilem Gelände und mit fast 30 kg Gepäck im knietiefem Schnee kam ich bei den Gemsen an. Die Photobedingungen waren ausgezeichnet, aber ich war körperlich ziemlich geschafft und hatte nur einen Gedanken: Das Gepäck muss leichter werden!! Die Winter-Bergausrüstung ist unverzichtbar, also bleibt nur der Weg, mein Photoequipment (eine SLR-Ausrüstung) leichter zu machen. Das Micro-Four-Thirds-System von Olympus mit seinen leichteren Objektiven und dem geringeren Volumen schien mir für solche Einsätze geradezu geschaffen und ich war gespannt, was mich mit dem führenden Kameramodell von Olympus erwartete.

 

Der erste Eindruck, als ich den Fotoapparat in der Hand halte: Ist die Kamera klein! Aber dass es kein Spielzeug sondern ein Hightech-Produkt ist, merkt man, sobald man sich mit dem umfangreichen Menu und den zahlreichen Funktionstasten bzw. -rädern beschäftigt. Nahezu alle Parameter lassen sich individuell beeinflussen und ich muss mich erst einmal intensiv einarbeiten, um die vielen Möglichkeiten der Kamera zu erfassen. Die Tasten und Räder können auf unterschiedliche Funktionen programmiert und so den persönlichen Bedürfnissen anpasst werden.

 

Gehäuse - Härtetest im Winter

Bei meinem nächsten Aufenthalt in den Bergen steht gleich der erste Härtetest der OM-D E-M1 Mark II an: Schneefall ohne Ende. Hier kann die Kamera schon gut punkten. Die Abdichtungen gegenüber Staub oder Nässe lassen keinen Grund zur Beanstandung zu und sie hat ihren Dienst auch bei leichten Minusgraden bestens erfüllt.

 

Das Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung ist robust gebaut und liegt mit seiner Gummierung und dem geformten Griff gut in der Hand. Auch wenn bei großen Händen der kleine Finger etwas ins Leere greift, hat man nicht das Gefühl, das einem die Kamera entgleitet. Das Gehäuse selbst wiegt knapp 580 Gramm (incl. Akku und Speicherkarten). Das Gewicht der Kamera darf man jedoch nicht allein betrachten, entscheidend ist für mich letztendlich die Kombination aus Kamera und Objektiven. Und gerade hier bietet das System sehr attraktive Vorteile. Die gesamte Objektivpalette vom extremen Weitwinkel bis zum Tele wiegt deutlich weniger als bei einer vergleichbaren Spiegelreflexausrüstung und auch das Volumen ist spürbar geringer. Den freiwerdenden Platz im Photorucksack kann ich gut für zusätzliche, anderweitige Ausrüstung nutzen. Bei meinen Touren im Tiefschnee hat sich die Gewichtsersparnis angenehm bemerkbar gemacht. Die Akkureichweite beträgt etwa 440 Aufnahmen nach CIPA-Teststandards. Mit Serienbildaufnahmen sind in der Praxis jedoch deutlich (!) mehr Aufnahmen möglich. Die Ladedauer beträgt rund 2 Stunden.

 

Hervorragender Bildstabilisator

Als herausragendes Merkmal der OM-D E-M1 Mark II ist der Bildstabilisator zu nennen. Olympus hat bis zu 5,5 Blendenstufen, mit den bildstabilisierten Olympus-Objektiven sogar über 6 Blendenstufen längere Belichtungszeiten angekündigt! Meine anfängliche Skepsis war unbegründet, tatsächlich habe ich bis jetzt noch keine bessere Bildstabilisierung gesehen. Im Weitwinkelbereich sind damit Belichtungszeiten von über einer Sekunde möglich und bei meinen Tests mit dem 4/300 IS PRO in Verbindung mit dem 1,4fach-Konverter (entspricht 840mm Kleinbildäquivalent) konnte ich teilweise sogar scharfe Aufnahmen mit einer Belichtungszeit von ¼ Sekunde realisieren! Bei Tieraufnahmen wird bei diesen bisher undenkbar langen Belichtungszeiten wohl eher die Eigenbewegung des Photomotivs für Bewegungsunschärfe sorgen als die Kamera selbst, aber diese technischen Möglichkeiten lassen ungeahnten, neuen Spielraum zu. Und wenn man das Stativ mal nicht mitnehmen will, ist man aufgrund des Stabilisators für die allermeisten Aufnahmen trotzdem gut aufgestellt.

 

Aufnahmen vor dem Auslösen

Eine weitere, höchst interessante Neuerung ist die Pro Capture-Funktion, die gerade für Actionfotografen maßgeschneidert ist. Während man den Auslöser halb gedrückt hält, startet die Reihenaufnahme. Doch erst sobald man den Auslöser vollständig durchdrückt, werden die letzten 14 vorangegangenen Aufnahmen gespeichert, die Kamera nimmt sozusagen zeitlich vorausschauend auf. Mit einer Geschwindigkeit von 60 Aufnahmen pro Sekunde werden die Fotos für fast eine weitere Sekunde gespeichert (sogar im RAW-Format bei voller Auflösung). Damit kann man den entscheidenden Moment kaum noch verpassen. Ich habe die Pro Capture-Funktion an meiner Winterfütterung ausprobiert um Vögel aufzunehmen. Mit der vorausschauenden Funktion kann man die Sache wesentlich entspannter angehen und muss sich nicht mehr über mangelndes Reaktionsvermögen ärgern: Beim Warten drückt man den Auslöser halb und sobald sich etwas tut, aktiviert man ihn vollständig. Einschränkend ist hier anzumerken, dass der Autofokus nicht nachgeführt wird, das Objekt der Begierde muss also in der richtigen Schärfenebene bleiben. Außerdem würde ich mir einen deutlicheren Druckpunkt des Auslösers wünschen. Der geringe Unterschied zwischen halb Durchdrücken und tatsächlich Auslösen hat bei mir, gerade in Verbindung mit dem geräuschlosen elektronischen Verschluss mehrfach dazu geführt, dass ich ungewollt die Speicherkarte gefüllt habe. Vor allem im Winter ist für eine präzise Bedienung des Auslösers mit Handschuhen sehr viel Feingefühl notwendig, das ich im Eifer des Gefechts nicht immer aufbringe.

 

Um die Bildergebnisse kontrollieren zu können, muss man warten, bis das letzte Foto gespeichert wurde. Bei der rasend schnellen Bildfolge entstehen in kürzester Zeit beträchtliche Datenmengen, eine schnelle Speicherkarte ist daher sehr zu empfehlen. Bei Verwendung des mechanischen Verschlusses und kontinuierlichem Autofokus hat man eine akustische Kontrolle des Auslösers und mit 15 Bildern pro Sekunde ist die Bildfolge für die allermeisten Fälle absolut ausreichend.

 

 

50 Mega-Pixel-Aufnahme

Zusätzlich zur Pro-Capture Funktion hat die Kamera noch einige andere interessante Funktionen.

So kann eine Aufnahme mit hoher Auflösung (entsprechen 50 Mega-Pixel, RAW: 10368 x 7776 Bildpunkte und JPEG: 8160 x 6120 Bildpunkte) erstellt werden. Dabei werden unter Verwendung des Sensor-Shifts acht Aufnahmen ausgelöst und zu einem einzigen Bild verrechnet. Diese Funktion eignet sich nur für statische Motive, bei bewegten Bildteilen (z. B. Zweige im Wind oder Tiere) treten dann stellenweise Bilddopplungen auf.

Der Experimentierfreude des Fotografen kommen weitere Funktionen wie Fokus-Stacking oder Live-Composite sehr entgegen.

 

Autofokus

Das Autofokussystem der Kamera verbindet ein hoch entwickeltes Phasenerkennungssystem mit dem Kontrastmessverfahren, das schnell und in der Regel effizient arbeitet. Bei schwierigen low-light-Aufnahmen hat der Autofokus manchmal längere Zeit gebraucht, um den richtigen Fokuspunkt zu finden. Die 121 Kreuzsensoren, die mehr als Dreiviertel des Bildfeldes abdecken, lassen sich auch in Gruppen zusammenschalten und mittels Touchpad anwählen. Das Display bleibt aktiv, auch wenn man den Sucher verwendet. Damit verschiebt man allerdings auch leicht mal den AF-Punkt mit Nase oder Wange. Auch wenn das Display manuell abgeschaltet werden kann, wäre hier eine automatische Abschaltung beim Wechsel auf den Sucher eine sinnvolle Option. Arbeitet man mit dem elektronischen Sucher, kann man das AF-Feld ebenfalls per Touchpad anwählen oder mit den Pfeiltasten auf der Rückseite der Kamera. Warum der Kamera nicht standesgemäß ein Joystick spendiert wurde, ist für mich schwer nachvollziehbar.

 

Sucher und Display

Die spiegellose Kamera hat einen elektronischen 100-Prozent-Sucher mit 2,36 Mio. Bildpunkten.

Die Bildwiederholfrequenz spiegelt mit 120 B/s über weite Bereiche einen natürlichen Eindruck wider. Da kein optischer Sucher zur Verfügung steht, muss die Kamera auch zwingend eingeschaltet sein, um über den elektronischen Sucher z.B. ein Tier beobachten zu können.

Die wesentlichen Kamera-Funktionen hat man im Display im Überblick, über die ok-Taste (Super Control Panel) lassen sich Veränderungen daran vornehmen. Neben einer darstellbaren 3D-Wasserwaage ist auch das einblendbare Histogramm eine nützliche Hilfe.

Das 3-Zoll-Touch-Display mit einer Auflösung von 1,04 Mio. Pixel ist dreh und schwenkbar. Über-Kopf-Aufnahmen oder bodennahes Arbeiten wird damit sehr erleichtert. Allerdings nur solange keine der angrenzenden Buchsen für Mikrofon etc. verwendet wird, denn die Display-Beweglichkeit wird dadurch deutlich eingeschränkt.

 

Bildqualität

Die OM-D E-M1 Mark II hat einen 20 Megapixel-Sensor verbaut, der ein erstaunlich geringes Bildrauschen zeigt und bei low-ISO-Werten ein detailreiches Bild abliefert. Bei steigenden ISO-Zahlen ist erst ein leichter Rückgang der Details zu verzeichnen, über ISO 3200 wird die Weichzeichnung zunehmend deutlicher. In diesem Bereich macht sich dann auch feinkörniges Bildrauschen steigend bemerkbar. Der Dynamikumfang ist beeindruckend, bis ISO 1600 lassen sich dunkle Bildpartien ohne größeres Farbrauschen sehr gut aufhellen, ab ISO 3200 sind die Möglichkeiten diesbezüglich geringer.

 

Die Video-Funktion der Kamera habe ich nicht getestet.

 

FAZIT

Die technischen Neuerungen dieser Kamera machen Sie zu einem guten Allrounder, der sich in Verbindung mit dem geringen Gewicht der Micro-Four-Thirds-Objektive nicht nur bei langen Touren im Gelände empfiehlt. Mit 20 Megapixeln hat Olympus im Vergleich zum Vorgängermodell noch eins draufgesattelt. Die Sensorgröße beträgt systembedingt etwa 25 Prozent einer Vollformat-Kamera, was die Detailtreue vor allem in höheren ISO-Bereichen einschränkt. Geringes Bildrauschen und der Dynamikumfang im unteren ISO-Bereich sind sehr ordentlich. Der hervorragende Bildstabilisator, die robuste Bauweise und die extrem schnelle Bildfolge zeichnen die Olympus OM-D E-M1 Mark II aus. Die vielfältigen Einstellmöglichkeiten der Kamera lassen kaum Wünsche offen, erfordern jedoch Einarbeitung, um die Kamera an die persönlichen Bedürfnisse zu adaptieren und eine schnelle und intuitive Arbeitsweise zu ermöglichen. Sonderfunktionen wie Pro Capture oder Live Composite erweitern den Spielraum des Fotografen.

 

Steckbrief Olympus OM-D E-M1 Mark II:

 

-          Sensorgröße                           17,3 x 13 mm

-          Pixel (eff.)                                 5184 x 3888

-          Auflösung (eff.)                       20,4 Megapixel

-          Isobereich                                min. 64, max. 25600

-          Abmessungen (HxBxT)           ca. 134 x 91 x 69 mm

-          Gewicht                                     knapp 580 g

-          121 AF-Messfelder (Kreuzsensoren) Phasendetektion

-       2 Kartenslots (SD/SDHC/SDXC (1 x UHS-II kompatibel)

-       Einschaltzeit: 1,7 s

-       Dreh- und schwenkbares 3 Zoll Touch-Display (1,04 Mio. Pixel),

-       Elektron. Sucher mit 2,36 Mio. Pixel, Bildrate 120 B/s

-       4k-Video (3840 x 2160) bis 30 B/s, Cinema-4k (4096 x 2160) bei 24 B/s,

        Full-HD (1920 x 1080) bis 60B/s

 -         Bildstabilisator: bis 5,5 Blendenstufen

 -          Aufsteckblitz: LZ 13 (ISO 200)

 -          Serienbilder: 15 Bilder/sek. (max. 84 RAW bzw. JPG (LN): 117)

                           10 Bilder/sek. (max. 148 RAW bzw. 117 JPG (LN): je nach Kartenkapazität)

 -         Silent Modus: 60 Bilder/sek. (max. 48 RAW bzw. JPG (LN): 48)

                           18 Bilder/sek. (max. 77 RAW bzw. 105 JPG (LN)

 -       Pro Capture-Modus: 60 Bilder/sek. oder 18 Bilder/sek.

 -          ProCapture, Live-Bulb- und Live-Composite-Funktion, Focus-Stacking, Fokus-Bracketing

 -          Timer, Zeitraffer, HDR, Mehrfachbelichtungen, 3D-Wasserwaage, WLAN

 -          Anschlüsse: Mikrofon- und Kopfhörerbuchse (3,5 mm Stereoklinke), USB 3 Schnittstelle,

         Micro-HDMI

-           Straßenpreis: derzeit rund 1700 €